Bewerbe – Tossing the caber

Hallo Ihr lieben Athleten!

Ich habe euch ja versprochen die einzelnen Bewerbe unserer „Alternativen olympischen Spiele“ nacheinander vorzustellen. Was verbirgt sich hinter den teilweise kryptischen Titeln? Welche Regeln gelten? Wie könnt Ihr euch vorbereiten?

Dazu vorab ein kurzes caveat: Die genaue Ausformung der Regeln kann sich bis zum Bewerb am 24.Juli durchaus noch ändern. Vor allem aus dramaturgischen und praktischen Gründen, behalten wir uns vor, die eine oder andere Iteration durchzuführen. Aber seid gewiss, wir werden verantwortungsvoll das endgültige Regelwerk frühzeitig fertig stellen und euch natürlich darüber informieren. Garantiert vor 10h des Wettkampftages! (Natürlich ausgenommen der Änderungen die während des Bewerbs spontan notwendig werden)
Dies wird also kein Heimspiel für Buchstabenfrömmler!

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Bevor es aber zu den trockenen Fakten kommt, noch ein paar Fun Facts zu den olympischen Spielen:

Bei den ersten olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 wurde auch erstmals ein Marathonrennen ausgetragen. Hier traten 13 griechische Läufer gegen 4 andere Läufer anderer Nationen an. Also offensichtlich noch kein Massenspektakel. Die Strecke war damals noch ca. 40 km und nicht die mittlerweile bekannten 42,195 km. Die haben ja erst die Briten im Jahr 1908 festgelegt, damit die Königin ihre Freude hat. Königin Alexandra (die Mutter von König George dem V.) bestand damals darauf, dass der Marathon genau vor ihrem Fenster im Windsor-Castle beginnen und vor ihrer Loge im Londoner Olympiastadion enden sollte. Man muss sie einfach mögen die Royals!
Aber das ist eigentlich nicht das wirklich Kuriose an diesem Rennen, das wissen viele von euch wahrscheinlich schon.

Es begab sich vielmehr 1896 folgendes:
Sieger des Laufs von Marathon nach Athen wurde der Grieche Spyridon Louis. Er profitierte davon, dass der Franzose Albin Lermusiaux, der nach 20 km an der Spitze lag, und der Australier Edwin Flack, der bis kurz vor Schluss führte, aufgeben mussten, weil sie während des Rennens ausschließlich ALKOHOL tranken.

Aber auch der Sieger selbst kam nicht nüchtern an. Im offiziellen Bericht heißt es: „Als Spyros Louis aus Maroussi bei einem Wirtshaus in Pikermi vorbeikommt, trinkt er ein Glas Wein, erkundigt sich nach den vordersten Läufern und versichert mit Bestimmtheit, dass er sie erreichen und überholen werde.“
Louis’ Enkel bestreitet diese Version, behauptet aber, dass Louis’ zukünftiger Schwiegervater diesem 10 km vor dem Ziel ein Glas Cognac gereicht habe.
Welche Version auch immer wahr ist (ich nehme an: beide), offensichtlich hatten die Teilnehmer damals noch Sinn für Lebensfreude.
Einen dreifachen griechischen Triumph verhinderte darüber hinaus der Ungar Gyula Kellner. Der wurde zwar nur Vierter, hatte aber gesehen, dass Spyridon Belokas (3.) eine Wegstrecke mit einer Kutsche gefahren war, worauf dieser disqualifiziert wurde.
Woran man wieder sieht: Ja, Regeln sind wichtig!

So, nun aber zum ersten Bewerb, den ich euch vorstellen will: „Tossing the caber“

(Mitgliedern meiner Generation auch als „caber toss“ bekannt aus dem alten C64-Computerspiel „World Games“. Meine Güte, wie viele unzählige Joysticks haben wir bei diesem Spiel und bei „Dekathlon“ umgebracht, bei dem derjenige gewann, der als allerschnellster den Joystick wie verrückt hin und her reissen konnte.
Subtilere Computerspiele mit komplexeren Gewinnstrategien gab es damals sicherlich auch, die bleiben aber nicht so in Erinnerung. Wobei „World Games“ durchaus auch schon auf den korrekten Rhythmus und Timing beim Zerstören des Joysticks wert legte, also ein ganz anderes Niveau erforderte.
„Killer Spiele“, gab es damals eben nur in dieser Form, in denen der Joystick gekillt wurde. Ja, harte Zeiten waren das damals, wir hatten ja praktisch nichts!
Wer sich vom damaligen Elend einen Eindruck verschaffen will, findet mehr Details hier: https://www.c64-wiki.de/wiki/World_Games )

Also, zurück zum „Tossing the caber“.
Die heidekrautüberwachsenen Hügel der schottischen Highlands sind Heimat dieser Sportart. Wer kennt sie nicht, die starken Schotten (und Schottinnen!?!) in ihren neckischen Röckchen! Das „Baumstammwerfen“ ist traditioneller Höhepunkt der Highland Games.

Ein weit verbreiteter Irrtum, ist es, dass es hierbei darum ginge, den Baumstamm möglichst WEIT zu werfen.
Nein, es geht darum, den Baumstamm so zu werfen, dass er eine Art „Salto“ schlägt. Es muss also die Spitze einmal im Flug vertikal nach unten zeigen und dann das andere Ende möglichst „gerade“ (also idealerweise in der 12 Uhr Position vom Werfer) landen. Für jede Abweichung von dieser 12 Uhr Position gibt es dann Punkteabzüge.
Klingt komplizierter als es ist!

Wer nun sagt: „Oje – da bin ich nicht stark genug dafür“, der sei beruhigt:
Natürlich wird es bei uns „Stämme“ und „Stämmchen“ geben. (Von „Stecken“ werden wir jedoch aufgrund der sportlichen Wertlosigkeit absehen. Naja ausgenommen für Kinder vielleicht?). Es wird aber auf jeden Fall jeder, von jung bis alt, von stark bis schwach „seinen“ Stamm finden, der die Teilnahme ermöglicht.
Wer natürlich einen Bandscheibenvorfall sein eigen nennt, wird bei diesem Bewerb vielleicht besser auslassen. Wir werden in unserem streng geheimen Probelabor auch noch einige Experimente durchführen, welche Art von „Stamm“ für verschiedene Anforderungen geeignet ist.

In den offiziellen Regeln der SHGA (Scottish Highland Games Association) steht übrigens speziell beim „tossing the caber“ Wettbewerb folgende wichtige Regel:

„It is essential to have competent judges, who thoroughly understand the rules of a caber competition.“

Es gibt ja für die Einführung jeder Regel einen guten Grund. Die haben offensichtlich Erfahrung mit dem Gegenteil! Von nüchtern steht übrigens nichts da, wäre in Schottland vielleicht auch zu viel verlangt…

Wie auch immer, unsere Schiedsrichter werden in jedem Fall hochkompetent sein, so viel kann ich euch versichern. Wir haben sogar extra für diesen Bewerb schon 2 Laser Entfernungsmessgeräte gekauft, um den Winkel exakt zu vermessen.

Confused, Hands, Up, Unsure, Perplexed, Young

Wer sich jetzt fragt, wie man mit 2 Laser Entfernungsmessgeräten einen Winkel messen kann, kann sich von folgenden Antworten die richtige aussuchen:
1. Danke fürs Mitdenken, den anderen ist das gar nicht aufgefallen!
2. Genau dasselbe fragen wir uns auch!
3. Trust me – I’m an engineer!

Soviel einmal für heute. Die anderen Bewerbe folgen dann laufend in den nächsten Tagen.

Als kleinen „Digestif“ ein paar Kleinigkeiten zu den Themen Schottland und Alkohol, für alle, die noch nicht erschöpft zusammengebrochen sind:

„Whisky löst keine Probleme! Das tut Milch aber auch nicht.“

„“Trage immer eine kleine Flasche Whisky bei dir, für den Fall eines Schlangenbisses, und trage immer eine kleine Schlange bei dir.“

So, jetzt reichts aber! Stay tuned!

Weitere Seiten zu den alternativen olympischen Spielen:
Übersicht und Organisatorisches

Beschreibung der Einzelwettbewerbe:
Tossing the caber
Turmbau zu Babel
Ministry of silly walks
Bambus pictionary
Make Adam Riese proud!
Last egg standing

Bilder: pixabay.com / imgur.com / Wikipedia

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