Bewerbe – Turmbau zu Babel

Liebe Freunde,wir müssen reden!

Und zwar über Architektur!

Ihr wisst ja wahrscheinlich schon, dass Architektur von 1912 bis 1936 eine olympische Disziplin war. So wie auch andere Kunstbewerbe. An diese untergegangene Tradition wollen wir gerne anknüpfen.

Es gibt einen Grund, warum der erste Buchstabe des Alphabets der Architektur gegeben wurde. Sie ist grundlegend. VOR der Bildhauerei, der Literatur und natürlich auch der Musik. Die Architektur erschafft durch Ihre Zähmung der Natur und deren blinden und erbarmungslosen Zufall erst die Grundlage für all die anderen Künste. Wer bibbernd (was für ein schönes Wort!) im Regen steht, wird weder Geige noch Feder zur Hand nehmen. Wird keine Partitur schaffen und keine Mona Lisa.

Falcon, Young Hawk, Raptor, Bird Of Prey, Freilebend

Aber nicht nur die anderen Bereiche der Kunst, sondern auch die Naturwissenschaften müssen sich hinten anstellen.
Der Chemiker sagt zwar “Alles Leben ist Chemie“, aber wo betreibt der Chemiker von Wind und Wetter enthoben sein Geschäft? Na eben!
Von uns Informatikern will ich gar nicht erst anfangen, die wir wohl keinen Server auch nur der geringsten Menge an Wasser aussetzen wollen. Ja sogar Hitze ist uns unzuträglich, die wir in klimatisierten Räumen vermeiden und wer kann sich einen Informatiker braun gebrannt den Elementen trotzend vorstellen? Schon eher blass mit Cola und Pizza in einem dunklen Keller.

Alles verzweifelt abhängig von verlässlicher Architektur.

Wenn der Mensch Häuser, Türme, Kathedralen oder Pyramiden baut: Immer ist es die Notwendigkeit  und der Drang aus den Elementen etwas zu SCHAFFEN, das vorher nicht dagewesen ist, das sich von rein chemischen und physikalischen Prozessen, wie sie zum Beispiel ein Vulkan oder ein Fluss manifestieren, durch den WILLEN unterscheidet.
Den Willen nicht nur zu überleben, sondern auch den Willen zu schaffen. Und doch, im Gegensatz zu Literatur und Musik, immer noch an das SEIN gebunden, basierend auf Holz, Stein, Stahl und anderen Materialien.

So ist es dann kein Wunder, dass dadurch auch Hybris entsteht. Immer höher hinauf ist nicht erst seit dem asiatischen Wettstreit ein Thema, bei dem im Moment das Burj Khalifa in Dubai als höchstes Gebäude der Welt gilt. Ein rasender Wettlauf, in dem es heute das Empire State Bildung gerade noch mühsam unter die ersten 50 schafft. Heute sind es Bürotürme und Hotels, im Mittelalter waren es die Kathedralen.

Und schon die Bibel beschreibt diesen Himmelssturm in der Geschichte vom Turmbau zu Babel, bei dem die Menschheit versuchte Gott gleich zu kommen. Das hat dem Alten natürlich nicht gefallen, er hat die kleinen Kreaturen zwar nach seinem Ebenbild erschaffen, das heißt aber noch lange nicht ,dass sie sich so benehmen dürfen! “Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein, was sie sich auch vornehmen.“. Wer kann das schon wollen, da will ich sie lieber klein halten! Kann es sein, dass die österreichische Untertanen-Mentalität hier ihren Ursprung hat? War der Kaiser das echte Ebenbild Gottes und unsere Demokratie ist nur ein verhängnisvoller Irrtum? Nein, diesen Gedankengang will ich jetzt nicht weiterspinnen.

Wenigstens geht diese Geschichte halbwegs gut aus. Nicht Blitz oder Sintflut,wie an anderer Stelle,sondern eine Sprachverwirrung macht dieser Aktion ein Ende. Eine in ihrer subtilen und doch effektiven Form fast schon sympathische Intervention!

Der geistige Unterbau ist somit hinreichend beschrieben, ihr habt es euch ehrlich verdienst, dass wir nun endlich zum eigentlichen Bewerb kommen:

Der Turmbau zu Babel

Hier geht es darum, aus HOLZSCHEITERN einen möglichst hohen Turm zu bauen. Es ist also nicht Kraft, sondern Geschicklichkeit gefragt.

Wir haben natürlich aus der Geschichte aus der Bibel gelernt: Wir werden uns hüten, den Zorn Gottes auf uns zu ziehen, das Regelwerk ist daher so gestaltet, dass wir höhenmässig bequem in der Komfortzone des Burgenländers bleiben werden:

Dies sind die Regeln:
1. Baue aus Holzscheiten einen möglichst hohen Turm
2. Anderes Material ist nicht gestattet.
3. Nur ein Holzscheit darf den Boden berühren, danach kann beliebig weitergebaut werden. (Diese Regel sorgt für die notwendige „Instabilität“, damit das Ganze auch spannend wird)
4. Zeit: maximal 60 Sekunden
5. Der Turm muss nach Beginn der Wertung 5 Sekunden lang ohne Unterstützung frei stehen.
6. Durch den laut vernehmlichen Ruf von „Zwerg Bumsti, Zwerg Bumsti“ kann die Wertung auch vor Ablauf der 60 Sekunden jederzeit ausgelöst werden. Zum Beispiel wenn man nicht mehr höher bauen will und an der Stabilität des Werkes zweifelt.
(Eigentlich hätte der Spruch „Am dam des – disse malle press – disse malle pumperness – am dam des“ heissen sollen, aber das hätte der jüngeren Generation nur Tränen in die Augen gedrückt, welch harte Kindheit wir in den 80er Jahren hatten. Hat eigentlich irgendjemand von uns damals die Bedeutung dieses Spruchs hinterfragt? Also ich auf jeden Fall nicht. Das Ganze ist nämlich ein tschechischer Auszählreim. Übersetzen lässt er sich ungefähr so: „Am dam des, du bist ein kleines Hündchen, du bist ein kleiner Pumperness, am dam des!“ Was ein „Pumperness“ sein soll, weiß aber nicht einmal Google translate. Prinzipiell macht die ganze Übersetzung kaum mehr Sinn als das Original, es ist ein Wunder dass wir damals halbwegs unbeschadet groß werden konnten. )

Die Wertung:
Die naheliegende (und erfolgreiche) Lösung ist es, alle Scheiter senkrecht aufeinander zu stellen. Mit ein bisschen Geschick kann man so 6 oder 7 Scheiter hoch kommen und damit gewinnen. Bzw. nicht gewinnen, weil die anderen es wahrscheinlich ebenso bauen würden.
Auf Grund der absoluten Langeweile dieser Lösung scheidet sie natürlich aus. Wir haben daher andere Kriterien außer der Höhe eingebaut, die dafür sorgen, dass diese Lösung nicht gewinnen kann. Und damit ganz sicher gestellt ist, dass diese Lösung auch aufgrund von Mathematikschwächen in unseren Szenarien nicht gewinnen kann gibt es Regel 7
7. Ein Turm, der nur aus senkrecht aufeinander gestellten Scheitern besteht, kann keinen der ersten 3 Plätze belegen.
(Klarer kann man es nicht mehr sagen, oder?)

Also gewertet nach einem komplizierten Punktesystem wird:
a) Die Höhe des Turms
b) Die Anzahl der verwendeten Scheiter
c) Sonderpunkte gibt es für „daring“, also für gewagte und kühne Konstruktionen bzw. die künstlerische Eleganz und natürlich auch für den „Auftritt“ des Athleten.

Sicherheitsbestimmungen:
1. Don’t drink and build

Wir freuen und schon sehr auf wundervolle Gebilde und wundervolle Verzweiflungsschreie, wenn ein Turm knapp vor dem Ende der Wertungszeit wieder zusammenstürzt. Das werden die besten Bilder sein, wir werden extra Fotografen nur für die Gesichtsausdrücke abstellen!

Das war’s in aller Kürze wieder für heute, stay tuned!

Weitere Seiten zu den alternativen olympischen Spielen:
Übersicht und Organisatorisches
Tossing the caber

Bilder: pixabay.com / imgur.com / Wikipedia

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